Zusammenfassung der Expert:innen-Interviews

Im Rahmen von Expert:inneninterviews wurden Einschätzungen zu potenziellen Risiken, technischen und regulatorischen Herausforderungen sowie zu möglichen Schutz- und Gestaltungsmaßnahmen gesammelt.

Bewusstsein und Information der Nutzer:innen

Ein zentrales Problem ist das mangelnde Bewusstsein vieler Nutzer:innen für Art und Umfang der Datenerhebung. Viele wissen nicht, dass im Metaverse hochsensible biometrische Daten wie Bewegungsmuster, Blickrichtungen oder Emotionen erfasst werden. Fehlende Transparenz und komplexe Datenschutzerklärungen erschweren das Verständnis zusätzlich. Die Expert:innen fordern klarere, kürzere und visuell unterstützte Informationsformate sowie nutzerfreundliche Einwilligungsprozesse.

Überwachung, Tracking und umfangreiche Datensammlung

Durch VR/AR-Hardware entstehen neuartige Datenströme, die tiefgehende Rückschlüsse auf physische und psychische Zustände zulassen. Die Menge und Detailtiefe der gesammelten Informationen übersteigt bisherige Online-Umgebungen deutlich. Kritisch ist, dass Nutzer:innen kaum Kontrolle darüber haben, was mit diesen Daten geschieht. Vorgeschlagene Maßnahmen reichen von Privacy-by-Design-Ansätzen über Anonymisierung und Verschlüsselung bis hin zu klaren Löschrechten.

Identitätsdiebstahl und Manipulation von Avataren

Die hohe Anpassbarkeit von Avataren eröffnet Möglichkeiten für Identitätsmissbrauch und Deepfakes. Durch täuschend echte Nachbildungen können soziale Interaktionen manipuliert und Vertrauen missbraucht werden. Technische Schutzmaßnahmen wie eindeutige Identifikatoren, Bewegungsdaten-Authentifizierung und strenge Verifizierungsprozesse wurden empfohlen, stehen jedoch im Spannungsfeld zur gewünschten Anonymität.

Belästigung und soziale Interaktionen

Die immersive Natur des Metaverse verstärkt das Risiko von Belästigungen, Cybermobbing und Übergriffen. Die Grenzen zwischen physischer und digitaler Privatsphäre verschwimmen, und Handlungen können intensiver und verletzender wahrgenommen werden als in herkömmlichen Online-Plattformen. Empfohlen werden Codes of Conduct, Safety-Zonen, Blockierfunktionen und verbesserte Moderationswerkzeuge.

Geschäftsmodelle und wirtschaftliche Anreize

Viele Geschäftsmodelle im Metaverse beruhen auf der Monetarisierung von Nutzer:innendaten. Profitorientierte Plattformbetreiber könnten Datenschutzaspekte vernachlässigen, sofern kein regulatorischer oder öffentlicher Druck besteht. Bildung und Aufklärung über den Wert persönlicher Daten sowie die Förderung alternativer, datenschutzfreundlicher Dienste werden als zentrale Hebel gesehen.

Profilbildung, gezielte Werbung und Manipulation

Die Kombination umfangreicher Verhaltens-, Bewegungs- und Interaktionsdaten ermöglicht präzise Nutzer:innenprofile, die für personalisierte Werbung oder manipulative Inhalte genutzt werden können. Durch immersive Umgebungen steigt das Manipulationspotenzial erheblich. Expert:innen schlagen technische Opt-out-Möglichkeiten, klare Nutzungsgrenzen und Transparenzpflichten vor.

Rechtliche und regulatorische Herausforderungen

Das globale, dezentrale und grenzüberschreitende Wesen des Metaverse erschwert die Anwendung und Durchsetzung nationaler und internationaler Datenschutzgesetze. Unterschiedliche Rechtskulturen und fragmentierte Zuständigkeiten führen zu Rechtsunsicherheit. Vorschläge umfassen internationale Standards, einheitliche technische Schnittstellen und zentrale Ansprechpartner für Nutzerrechte.

Interoperabilität und Datentransfer

Die Expert:innen sehen im Datenaustausch zwischen Metaverse-Plattformen erhebliche Sicherheits- und Datenschutzrisiken. Ohne klare Standards droht der Verlust der Datenkontrolle. Sie fordern Privacy-by-Design-Umsetzungen, sichere Datenübertragungsmechanismen und transparente Verantwortlichkeiten.

Künstliche Intelligenz und Jugendschutz

KI-Systeme sind integraler Bestandteil vieler Metaverse-Anwendungen und erhöhen die Komplexität der Datenschutzfragen. Transparenz über den Einsatz von KI und KI-freie Räume werden empfohlen. Kinder und Jugendliche gelten als besonders schutzbedürftig und benötigen gezielte Schutzmechanismen und Aufklärung.Die Expert:innen sind sich einig, dass technische, rechtliche, ökonomische und soziale Aspekte im Metaverse eng miteinander verwoben sind. Mittelfristig wird der Schutz der Privatsphäre nur gelingen, wenn regulatorische Rahmenwerke, technische Sicherheitsmaßnahmen, transparente Informationsprozesse und nutzerorientiertes Design konsequent miteinander kombiniert werden.