Zusammenfassung der Fokusgruppen
Um die Anforderungen an privatsphärefreundliche Benutzer:innenschnittstellen alltagsnah zu untersuchen wurden vier Fokusgruppen durchgeführt. Zwei Gruppen befassten sich mit dem Thema Datenschutz und Transparenz im Metaverse – jeweils mit Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen. Zwei weitere Gruppen behandelten das Thema Wahrung und Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten im Metaverse, ebenfalls getrennt nach Nutzer:innen und Nicht-Nutzer:innen.
Fokusgruppen Datenschutz
Gruppe der Metaverse Nutzer:innen
Die Teilnehmenden sahen Datenschutzrisiken im Metaverse als vergleichbar mit denen anderer Online-Plattformen und meist nicht als Nutzungshindernis. Datenverarbeitung wurde teils als unvermeidbar und akzeptables „Geben und Nehmen“ betrachtet, insbesondere, da niemand bereit wäre, für datenschutzfreundlichere Modelle zu zahlen. Eine Bezahlpflicht wurde als potenziell diskriminierend und wirtschaftlich unrealistisch abgelehnt.
Kritik gab es an mangelnder Transparenz und eingeschränkten Mitgestaltungsmöglichkeiten für Nutzer:innen. Zustimmung zu Datennutzung sollte klar, nach Sensibilität kategorisiert und jederzeit revidierbar sein, um Überforderung zu vermeiden. Hinweise zu genutzten Sensoren seien nur sinnvoll, wenn auch deren Zweck ersichtlich ist.
Insgesamt wurde Datenschutz eher pragmatisch gesehen: Risiken wurden anerkannt, aber durch wahrgenommene Vorteile und das Fehlen attraktiver Alternativen relativiert. Die Verantwortung für den Schutz der eigenen Daten sahen viele auch bei den Nutzer:innen selbst.
Gruppe der Metaverse Nicht-Nutzer:innen
Die Teilnehmenden sahen das Metaverse vor allem als potenziell relevantes Werkzeug in Aus- und Weiterbildung, hatten privat jedoch wenig Interesse – unteranderem wegen Kosten, Datenschutzbedenken und fehlendem persönlichen Nutzen. Mehrere Personen sprachen sich für ein kostenloses Metaverse trotz Datenerhebung aus, um Hürden zu vermeiden, während andere gesetzliche Verbote der Datenerhebung befürworteten, selbst wenn dies zu kostenpflichtigen Modellen führen würde. Gründe dafür waren Suchtprävention, Transparenz und der Schutz vor intensiver Profilbildung.
Datenschutzbedenken bezogen sich besonders auf die Erfassung sensibler physiologischer und verhaltensbezogener Daten, die als besonders eingreifend empfunden wurden. Für die Nutzung wären Anonymität, klare Regeln, gute Moderation und eine Einführung in die Plattform wichtig.
Bei der Darstellung von Datenschutzinformationen wurden intuitive Sensorhinweise positiv bewertet, lange Textblöcke jedoch als ablenkend und wenig hilfreich empfunden. Eine differenzierte Zustimmung je nach Nutzungskontext wurde als wünschenswert beschrieben.
Fokusgruppen Persönlichkeitsrechte
Gruppe der Metaverse Nutzer:innen
Die Teilnehmenden sahen Vorteile des Metaverse vor allem in materialintensiven Ausbildungssituationen, äußerten jedoch Bedenken zu Datenschutz, Realitätsflucht und Social-Media-Aspekten. Risiken für Persönlichkeitsrechte wurden kritisch gesehen, wenngleich technische Schutzmöglichkeiten – etwa das Verhindern physischer Belästigung – als potenziell besser als in der realen Welt eingeschätzt wurden. Gefahren wie Bots, Scammer und Stalking galten als aus analogen Kontexten bekannt und nicht Metaverse-spezifisch.
Beim Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden technische und gesellschaftliche Maßnahmen gleichermaßen gefordert. Positiv bewerten die Nutezr:innen Optionen zum Ausblenden störender Mitspieler:innen sowie eine Kennzeichnungspflicht für Bots, deren Umsetzung jedoch teils bezweifelt wurde. Skepsis bestand gegenüber der Abschaffung dunkler Räume. Vorschläge reichten von einem Sanktions- und Punktesystem bis hin zu stärkerem Engagement der Plattformbetreiber, wobei finanzielle Anreize als Hindernis gesehen wurden. Virtuelle, KI-gesteuerte Freunde wurden durch die Nutzer:innen mehrheitlich kritisch betrachtet, während einzelne auch Chancen für sozial benachteiligte Personen sahen.
Gruppe der Metaverse Nicht-Nutzer:innen
Auch die Nicht-Nutzer:innen sahen Potenziale des Metaverse vor allem in Ausbildungssituationen und beim Gaming, äußerten jedoch Bedenken zu Realitätsflucht, Verlust analoger Sozialkontakte und Missbrauch der Anonymität. Inklusivität für körperlich eingeschränkte Personen wurde positiv hervorgehoben. Gefordert wurden Mechanismen zum Schutz vor Persönlichkeitsrechtsverletzungen wie (sexueller) Belästigung sowie eine mögliche Identitätsverknüpfung, etwa über den Personalausweis, um Straftaten zu verfolgen und abzuschrecken.
Das Problem von Social Bots wurde aus anderen Netzwerken bekannt eingeschätzt, mit Befürchtungen zu verstärkter Isolation, Identitätsdiebstahl und Missbrauch realistischer Avatare. Maßnahmen wie Safe Zones, Schutzbereiche mit Mindestabstand und Kennzeichnungspflichten für Bots fanden teilweise Zustimmung, während andere an der Wirksamkeit und Umsetzbarkeit zweifelten. Kritisch betrachtet wurde, dass überhaupt ständige Schutzsysteme nötig wären.
Besonders betont wurde der Kinderschutz: Bots sollten klar erkennbar sein, um Missbrauch zu verhindern, insbesondere bei fehlender elterlicher Aufsicht. Die Meinungen zu Moderation und technischer Umsetzung blieben insgesamt heterogen.

